NEOS Mach´ mit

Island, Frauen, Frieden

  Matthias Strolz  am 16.09.2012

Komme gerade vom Empfang mit dem Isländischen Präsidenten, Ólafur Ragnar Grimsson. Er wurde heuer zum fünften Mal wieder gewählt. Beachtlich. Sein Amtssitz ist weder umzäunt, noch gab es einen Sicherheitscheck. Im Rahmen des ersten Spirit of Humanity Forum haben wir uns hier in Reykjavik im Kreis von 100 Leuten aus 29 verschiedenen Ländern getroffen. Um der Frage nachzugehen, welchen Beitrag wir für die positive Entwicklung der Welt leisten können. Unser Ziel ist es, ein globales Netzwerk von Organisationen und Personen zu schaffen, die sich dieser Aufgabenstellung widmen. Unser Motto zum Auftakt: “Resetting the Compass: Creating a Landscape of Possibilities”.

Ich habe hier großartige Bekanntschaften gemacht. Bin tief beeindruckt von der Gastfreundschaft von Island und Reykjavik. Das Land und die Stadt wurden im Jahr 2008 von der Finanzkrise hart getroffen. Sie haben danach ihren ganz eigenen Weg eingeschlagen. Ein aktueller Bericht dazu hier. Der Bürgermeister Jón Gnarr ist ein Erlebnis. Er ist Komiker, Musiker und Schriftsteller. Er trat mit der „Besten Partei“ 2010 bei den Kommunalwahlen an und erhielt 34,7 % der Stimmen. Seither führt er die Stadtregierung an. Sein Traum ist es, Reykjavik zu einem weltweiten Zentrum des Friedens zu machen. Er und seine Truppe – u.a. (nunmehr pausierende) Punkmusiker – machen Politik, die von Herzen kommt. Berührend. Ebenfalls von beeindruckender Herzlichkeit Thabo Cecil Makgoba, Erzbischof von Kapstadt. Ich mag es, wenn ein Würdenträger mit großer Würde daherkommt; und ohne großen Pomp. Die Katholiken können hier von den Protestanten und Anglikanischen was lernen.

Wiederum viele Frauen. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer_innen. Seitens der Organisator_innen klar in der Überzahl. Und für mich eindeutig: Wir werden die Frauen brauchen, wenn wir eine bessere Welt bauen wollen. Wir brauchen sie in Verantwortung, um aus den aktuellen Krisen die richtigen Antworten ziehen zu können. Die aktuell mächtigen Männer sind dazu nur unzureichend im Stande. Wir brauchen die Intuition der Frauen und das inklusive Element, das sie besser nähren als wir Männer. Wir brauchen ein achtsames Wahrnehmen, darauf basierend ein entschlossenes Handeln. Ein Co-Kreieren all jener, die guten Willens sind.

Großartig und wiederum inspirierend – nach meiner ersten Begegnung am Frauenberg in Admont im Sommer (siehe Blogeintrag vom 10. Juli 2012): die Führungscrew der Brahma Kumaris World Spiritual University. Was auf Wikipedia zu ihnen zu finden ist, wird nicht dem gerecht, wie ich sie persönlich erlebe. Dadi Janki, Head of Brahma Kumaris, kam mit 96 aus Indien angereist. Sie ist beseelt davon, spirituelle Erdung in die Welt zu bringen. Sister Jayenti, die europäische Direktorin, finde ich in ihrer Präsenz und Klarheit ein bezauberndes Ereignis.

Für mich waren es inspirierende Tage. Sie bestätigen mich auf dem Weg, den ich eingeschlagen habe. Ja, wir können anpacken. Wir können einen konkreten Beitrag leisten. Wenn ein Mann, wie hier in der Norwegischen Nachbarschaft, 77 Menschen ermorden kann, warum sollten wir gemeinsam nicht etwas zum Besseren bewegen können? Entlang Mahatma Gandhis Aufruf: “Sei selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst.”

Wir möchten mit unserer Bewegung “neos – Das neue Österreich” unser Land mit erneuern. Wir wollen den Stillstand dort beenden, wo er uns nicht gut tut. Wir möchten Politik machen, die authentisch und wertschätzend ist. Wir möchten Lösungen formen, die sich den Werten der Eigenverantwortung und Nachhaltigkeit verpflichten. Wir möchten, dass die Politik wieder an Respekt gewinnt. Dass man spürt, dass es eben um Lösungen geht. Wir möchten, dass mehr Menschen mitdenken, mitreden, mitmachen. Wir möchten, dass der Mut und die Zuversicht wächst.

Und jetzt zieh‘ ich die Decke über die Nase. Denn berückend ist auch der nordatlantische Herbst. Tagsüber sechs Grad. Immer recht feucht. Die Bootsfahrt gestern Abend zur Insel Videy Island hat mich etwas verschnupft gemacht. Dort installierte übrigens Yoko Ono den Image Peace Tower. Eine Lichtsäule, die aus einem weißen Steinmonument heraus projeziert wird. Auf diesem steht in 24 Sprachen: “Imagine Peace”. Hier die Botschaft auf Youtube – über 22 Millionen Mal abgeholt. Yoko Ono sandte uns eine Videobotschaft. Ihre Message: “Ein Traum, den du alleine träumst, ist nur ein Traum. Ein Traum, den wir gemeinsam träumen, ist Realität.” Eben. Weiter also. Vorwärts.