NEOS Mach´ mit

Wofür ich kämpfe

  Matthias Strolz  am 10.03.2013

Heute kam ich aus der Stadt nach Hause, von der BundespartnerInnenversammlung des LIF, hab was gegessen, den Kindern die Zähne geputzt, ZIB geschaut und bin in einen tiefen Schlaf gefallen. Ich war müde, erschöpft. Ich wollte fernsehschauen, doch der Schlaf übermannte mich. Gleichermaßen stark der Wunsch nach Unterhaltung und Zerstreuung. Belohnung nach einer intensiven Woche.

Um neun Uhr war ich wieder wach und schaute mit meiner Frau den Film „Amazing Grace“. Der Kampf von William Wilberforce gegen die Skalverei. Sein Mühen, sein Kämpfen, seine Mission. Anschließend lagen wir im Bett. Ich war seltsam berührt. „Wofür kämpfe ich?“ kam mir in den Kopf. „Wofür?“

Ich bin jetzt seit mehr als einem Jahr diesem Vorhaben verschrieben, ein „Neues Österreich“ mit in die Welt zu bringen. Ein Jahr Bekenntnis, Mühen, Mission. „Wofür kämpfe ich denn?“ fragte ich meine Frau. Manchmal verliere ich die Verbindung zu mir selbst. Das Dröhnen der tausend Emails, Tweets und Facebookeinträge. Die Überschüttung durch Termine und Gesichter. Die Überflutung durch Reize. Und dann die Suche nach dem großen Bild. Da gibt es nicht die Sklaverei, die wir abschaffen müssen; es gibt nicht die Meinungsfreiheit, die wir erst erkämpfen müssen; es gibt nicht die Übermutter einer Revolution, die uns nährt. Also wofür dieser Aufwand? Wofür diese Veranstaltung? Wofür dieses Ringen?

Meine Frau behauptet nicht von sich, ein besonders politischer Mensch zu sein. Aber sie sieht in solchen Momenten klarer wie ich. Das gibt mir Kraft. Das gibt mir Klarheit. Wofür ich kämpfe?

Ich kämpfe dafür, dass die jungen Menschen in diesem Land faire und gute Chancen bekommen. Dass sie in eine gute Welt hinein starten können. Dafür, dass wir Menschen die Chancen ergreifen – im Vertrauen auf uns selbst und unser Umfeld.

Ich kämpfe für Bildung. Für die Ermächtigung des Menschen. Für die Entfaltung jedes Einzelnen von uns, für das Beflügeln unserer Talente, für das Erblühen unserer Potenziale. Ich will ein Gärtner des Lebens ein. Ich will soziale Felder kultivieren. Ja, jeder und jede von uns soll aufgehen wie eine Rose – in all unserer Pracht als menschliche Wesen. Wir sollen voller Lebendigkeit strotzen, wir sollen unseren Duft verströmen, jeder in seiner Einzigartigkeit und Schönheit. Wir sollen uns und unser Umwelt nähren, jeder nach seiner Möglichkeit.

Ich kämpfe für die Ehrlichkeit. Manchmal hab ich Angst vor ihr. Ich kämpfe für die Politik. Manchmal zweifle ich an ihr.

Für die Politik. Sie soll in der Wahrnehmung und im Erleben der Menschen mehr sein als Korruption, mehr als ein dreckiges Geschäft. “Politik ist der Ort, wo wir uns ausmachen, wie wir miteinander leben.” Das ist unsere Definition, auf die wir uns bei NEOS geeinigt haben, die seit Beginn unserer Bewegung hält. Die uns hält. Ich kämpfe dafür, dass dieser Ort “Politik” seinen Selbstrespekt wieder findet. Und dafür, dass er in seinem Dasein und in der Wahrnehmung der Menschen wieder an Aufrichtigkeit gewinnt. An Vertrauen. An Glaubwürdigkeit.

Ich kämpfe für Europa, für diese Idee der Einheit in der Vielfalt. Ich glaube daran.

Ich kämpfe dafür, der Zuversicht und dem Positiven einen festen Platz zu geben im Leben. Ich kämpfe dafür. Ich werde meinen Idealen oft selbst nicht gerecht.

Manchmal denke ich, ich sollte weniger kämpfen. Dann weiß ich, ich werde weniger kämpfen. Dann weiß ich, es ist okay. Für jetzt. Es ist ein Ringen, ein Tun, ein Sein. Okay. Frieden.

Ich folge dem Herzschlag. Und dem meiner Tochter. Sie lag auf mir, heute Abend, bei diesem Ringen. Ich kämpfe für ihren Herzschlag. Wir haben es gut. Sie soll es gut haben. Und ja, ihr Herz schlägt von allein. Auch ohne mich. Ich sollte weniger kämpfen. Daher vorwärts, weiter.

Die Liebe zum Lebendigen will ich ins Parlament tragen. Das ist mein Ziel. Mein Auftrag, an den ich mich binde.